Tumoren des Hirns

Hirneigene Tumoren
Vom hirneigenen Gewebe ausgehende Tumoren werden nach dem Einteilungsschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 4 Grade eingeteilt. Tumoren vom WHO Grad I gelten als wenig bösartig und Tumoren vom Grad 4 als sehr bösartig. Unter Bösartigkeit versteht man dabei die Eigenschaft der Tumoren, schnell und aggressiv in das umgebende gesunde Gewebe einzudringen und es zu zerstören. Tochtergeschwülste (Metastasen) gehen von hirneigenen Tumoren extrem selten aus.

Insgesamt machen Hirntumoren in Deutschland etwa 2 % aller Krebserkrankungen aus, wobei die Patienten beim Auftreten eines Hirntumors meistens zwischen 50 und 70 Jahre alt sind. Die häufigsten Hirntumoren beim Erwachsenen gehen aus sogenannten Gliazellen hervor und haben als Oberbegriff den Namen Gliome (glia = die Nervenzellen umgebende Zellen) oder sie entstammen Zellen der Hirnhäute, medizinisch Meningen genannt, und heißen daher Meningeome.
Aber auch im Kindesalter können Hirntumoren auftreten. Meistens handelt es sich dann um in der Regel gutartigere Gliome oder bösartige sogenannte Medulloblastome.

Der helle unregelmäßige Saum (kontrastmittelaufnehmende Tumoranteile) und die umgebende Ödemzone (dunkelgrau) sind typische Kennzeichen eines Glioms Grad IV. Dennoch können auch andere Erkrankungen ähnliche Veränderungen zeigen, sodass letztlich eine Probeentnahme zur Sicherung der Diagnose erforderlich ist.

 

Die Strahlentherapie kommt bei niedriggradigen Gliomen (WHO Grad II) entweder im Anschluss an eine Operation zum Einsatz, oder aber erst, wenn der Tumor deutlich wächst bzw. Symptome verursacht, wie zum Beispiel Krampfanfälle oder Lähmungen. Das therapeutische Konzept wird dabei in der Regel für jeden Patienten individuell festgelegt.
Bei den von den Hirnhäuten ausgehenden Meningeomen vom WHO-Grad II oder III wird meist regelhaft nach einer erfolgten Operation eine zusätzliche Strahlentherapie durchgeführt, um ein Wiederauftreten (Rezidiv) des Tumors zu verhindern.

Zur Anwendung kommen bei der Bestrahlung von Hirntumoren am häufigsten sogenannte ultraharte Röntgenstrahlen, die von außen nach einer Planung mittels Computertomographie über mehrere Bestrahlungsfelder in den Tumor eingestrahlt werden.
Für die Behandlung wird dem Patienten eine individuelle Maske angefertigt, mit deren Hilfe der Patient so genau gelagert werden kann, dass die Bestrahlung mit ausreichender Präzision den Hirntumor erfasst. Die Behandlungszeit erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa 6 Wochen.

3-D-Dosisverteilung einer zum Teil non-koplanaren Bestrahlungstechnik bei ausgedehntem Zielvolumen rechts parietal. Die verschiedenfarbigen Linien geben die Volumina unterschiedlicher Strahlendosen an. Eine dreidimensionale Darstellung bei der Bestrahlungsplanung ermöglicht über Darstellung der Isodosen eine Schonung relevanter Risikoorgane.

 

Die höhergradigen Gliome (WHO Grad III und IV) werden heutzutage nach einer Operation, die entweder zur Probengewinnung oder zur weitest möglichen Entfernung des Tumors erfolgt, fast immer mit einer zusätzlichen Strahlentherapie behandelt. Dabei wird beim bösartigsten Gliom, dem Glioblastom, sehr häufig auch noch eine Chemotherapie gleichzeitig zur Strahlentherapie eingesetzt. Die zumeist verwendete Substanz ist Temozolamid, ein Medikament, das in Form von Kapseln geschluckt werden kann.

Hirnmetastasen

Bei einer ganzen Reihe von Krebserkrankungen können im Krankheitsverlauf Hirnmetastasen als Streuherde vorkommen. Insgesamt sind etwas weniger als ein Drittel aller Tumoren, die im Schädelinneren auftreten Metastasen eines Primärtumors, der sich in einer anderen Körperregion befindet. Die häufigsten Krebsarten, die einer Hirnmetastasierung zugrunde liegen, sind:

  • das Lungenkarzinom (besonders häufig das sogenannten kleinzellige Lungenkarzinom)
  • der Brustkrebs
  • das Maligne Melanom
  • das Nierenzellkarzinom

 

Hirnmetastase eines Lungenkarzinoms
In der Kernspinaufnahme demarkiert sich die frontal gelegene Metastase als hyperintense, kontrastmittelaufnehmende Raumforderung.

 

Hirnmetastasen können bei günstiger Lage, das heißt, wenn sie nicht zu nahe an besonders wichtigen Hirnstrukturen liegen, operiert werden. Manchmal wird auch nur eine Probe der Hirnmetastase gewonnen oder eine von mehreren vorhandenen Hirnmetastasen operativ entfernt, um die Diagnose zu stellen.
Bei Vorliegen von Hirnmetastasen wird nach einer ggf. vorher durchgeführten Operation das gesamte Gehirn mit hochenergetischen Röntgenstrahlen behandelt. Im Anschluss daran wird manchmal eine nur noch die sichtbare Hirnmetastase erfassende Bestrahlung durchgeführt, ein sogenannter Boost.
Die Bestrahlung des gesamten Gehirns erfolgt, damit im Entstehen begriffene und noch nicht sichtbare weitere Hirnmetastasen mitbehandelt werden und so das Auftreten weiterer neurologischer Schäden verhindert wird. Auch für diese Behandlung wird eine individuelle Maske angefertigt.
Die Behandlung dauert meist zwischen 2 und 4 Wochen.

Akustikusneurinom (Vestibularisschwannom)

Das Akustikusneurinom ist ein gutartiger Tumor im inneren Gehörgang, der von Zellen des Hörnervens selbst ausgeht. Gutartig bedeutet, dass der Tumor keine Metastasen bildet und nicht in das umgebende gesunde Gewebe hineinwächst. Dennoch stellt dieser Tumor keine harmlose Erkrankung dar, da er zwar langsam aber stetig wächst und durch dieses Wachstum schließlich schwere neurologische Störungen verursachen kann, wie z.B. chronische Ohrgeräusche (Tinnitus), Schwindel und Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungen des Gesichtsnerven sowie einen kompletten Hörverlust.
Akustikusneurinome können entweder operiert oder mittels Strahlentherapie behandelt werden. Daher sollten sich betroffene Patienten sowohl von einem Neurochirurgen als auch von einem Strahlentherapeuten beraten lassen, um zusammen mit den Ärzten die Entscheidung für das beste Vorgehen zu treffen.

Dosisverteilung bei stereotaktischer hochkonformaler Radiochirurgie eines linksseitigen kleinen Akustikusneurinoms. Die Farben geben die Bereiche unterschiedlicher Dosisbelastung zwischen 100% und 20% der geplanten Gesamtdosis an.

Die Strahlentherapie wird meist in Form einer hochpräzisen Bestrahlung aus verschiedenen Richtungen durchgeführt, wobei der Tumor sich im Schnittpunkt der gewählten Bestrahlungsfelder befindet (sogenannte stereotaktische Radiotherapie oder Radiochirurgie). Um diese sehr hohe Präzision der Bestrahlung zu gewährleisten, wird eine besonders feste Maske angefertigt, mit der der Kopf des Patienten weitgehend unbeweglich gehalten wird.

Die Behandlung besteht aus einer oder mehrerer Bestrahlungsfraktionen.

Gefäßfehlbildungen (Arteriovenöse Malformationen)

Eine weitere Erkrankung, bei der die Strahlentherapie eingesetzt werden kann, sind angeborene Gefäßfehlbildungen mit Kurzschlüssen zwischen Hirnarterien und den für den Blutabfluss zuständigen Venen. Diese Gefäßfehlbildungen, die zu gefährlichen Hirnblutungen führen können, werden häufig zunächst durch interventionelle Radiologen behandelt, die eine gezielte Verödungstherapie durchführen. Entweder im Anschluss an diese Behandlung oder als alleinige Therapie kann eine Bestrahlung erfolgen. Auch hier kommt, wie beim Akustikusneurinom, die hochpräzise stereotaktische Radiotherapie zum Einsatz, wobei die Behandlung zumeist in einer einzigen Sitzung erfolgt.
Der Verschluss der Gefäßfehlbildung erfolgt dann langsam über mehrere Monate oder Jahre.