Brachytherapie

Die Brachytherapie ist ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von vielen Tumorerkrankungen. Bei dieser Technik werden aktive Strahlenquellen (heute meist Ir-192) entweder über Körperöffnungen (intrakavitär) oder direkt durch das Gewebe (interstitiell) direkt an den Tumor herangeführt. Der steile Dosisabfall ermöglicht in vielen Fällen eine hohe Dosiskonzentration am Tumor bei gleichzeitig optimaler Schonung der umliegenden gesunden Organe.

Brachytherapie beim Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs)

Bei der  Behandlung des Zervixkarzinoms ist neben der externen Radiotherapie und begleitenden Chemotherapie die Brachytherapie ein obligater Therpiebestandteil.

Vor Einleitung der Brachytherapie wird in einem kleinen operativen Eingriff eine Führungshülse in den Gebärmutterhals eingesetzt, damit der vor jeder Bestrahlung eingesetzte Applikator immer in der gleichen Position zum liegen kommt und auf eine wiederholte Vollnarkose bei jeder einzelnen Behandlungssitzung verzichtet werden kann. Es folgt eine MRT-Bildgebung mit liegendem Applikator, auf deren Grundlage ein Bestrahlungsplan erstellt wird. Das Ziel ist hierbei den Tumor mit einer ausreichenden Bestrahlungsdosis zu versorgen und gleichzeitig eine geringstmögliche Belastung der in direkter Nachbarschaft liegenden Organe zu erreichen. Vor jeder Bestrahlungssitzung wird erneut eine Kontrollbildgebung durchgeführt, der Bestrahlungsplan an die sich veränderte anatomischen Strukturen (z.B. Tumorverkleinerung im Verlauf) angepasst und somit ein Höchstmaß an Präzision und Behandlungsicherheit gewährleistet (adaptive Brachytherapie). Dadurch wird das Risiko von schwerwiegenden Spätkomplikationen auf ein Mindestmaß reduziert ohne den Heilungserfolg zu gefährden.






MRT-geplante, adaptive Brachytherapie am Beispiel des Zervixkarzinoms. Über einen  Ring-Stift-Applikator wird die Strahlungsquelle direkt an den Tumor herangeführt. Vor jeder Bestrahlungssitzung erfolgt eine Bildgebung und eine DVH-gestütze Anpassung des Bestrahlungsplanes.

 

Brachytherapie beim Endometriumkarzinom (Korpuskarzinom)

In den meisten Fällen wird nach Diagnose eines  Endometriumkarzinoms zunächst eine Operation durchgeführt. Vielfach ist jedoch im Anschluss an die Operation eine Radiotherapie notwendig um das Risiko für ein Rezidiv im OP-Gebiet zu senken. Hier kann in bestimmten Fällen eine Brachytherapie zum Einsatz kommen um ein erneutes Tumorwachstum insbesondere am Scheidenende zu verhindern. Dabei wird über einen zylinderförmigen Applikator ganz gezielt diese Risikoregion in meist 3 Sitzungen bestrahlt.  Diese Therapie ist in aller Regel nebenwirkungsarm und gut verträglich. Eine Narkose ist nicht erforderlich.