Prostatakarzinom

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Hintergrundinformationen, Symptome und Ursachen

Die so genannte Vorsteherdrüse (Prostata) ist eine etwa walnussgroße Drüse unterhalb der Harnblase, welche die Harnröhre umschließt.

Seit der Einführung des prostata-spezifischen Antigens (PSA) als im Blut nachweisbarer Parameter, werden viele Prostatakarzinome im Frühstadium diagnostiziert. Ein erhöhter PSA-Wert muss allerdings immer von einer gutartigen Prostataentzündung (Prostatitis) unterschieden werden und stellt allenfalls ein Hinweis, jedoch keinen Beleg für ein Prostatakarzinom dar.

Das Prostatakarzinom ist ein bösartiger Tumor, der sich aus verändertem Drüsengewebe der Prostata entwickelt. Zu Beginn der Erkrankung verursachen Prostatakarzinome keinerlei Beschwerden. Bei Fortschreiten der Krankheit kann es unter anderem zu Blasenentleerungstörungen, wie häufigem (nächtlichen) Wasserlassen, und Schmerzen beim Wasserlassen kommen. Auch Blut im Urin und Erektionsstörungen können die Folgen eines Prostatakarzinoms sein.

Weiterführende Diagnostik

Ein Prostatakarzinom kann durch eine Erhöhung des prostataspezifischen Antigens im Blut (PSA-Test) oder eine Tastuntersuchung auffallen. Meist ergibt sich der Verdacht auf ein Prostatakarzinom allein durch einen erhöhten PSA-Wert. Der histologische Nachweis eines Prostatakarzinoms und die Beurteilung der Drüsenmorphologie (Gleason-Score) erfolgt durch eine ultraschallgesteuerte Gewebeentnahme in lokaler Betäubung (Prostatastanzbiopsie). Wurde die Diagnose eines Prostatakarzinoms gestellt, werden durch weitere Untersuchungen wie zum Beispiel eine Knochen-Szintigraphie und gegebenenfalls CT, MRT oder PSMA PET-CT eine Ausbreitung des Karzinoms im Körper ausgeschlossen.

Behandlungsmethoden

Die Behandlungsmöglichkeiten beim Prostatakarzinom sind vielfältig. Die Standardtherapien bei Ihrer Erkrankung ist die operative Entfernung der Prostata mittels Prostatektomie, die Bestrahlung mittels perkutaner Radiotherapie oder Brachytherapie oder eine aktive Überwachung, sog. "Active Surveillance“. Je nach Ausdehnung der Erkrankung wird eine medikamentöse Hormonblockade zur Therapie eingesetzt. In der sogenannten Tumorkonferenz geben Urologen, Strahlentherapeuten, Pathologen und Radiologen eine auf Ihren Fall angepasste Therapieempfehlung, wobei häufig mehrere Therapieoptionen möglich sind.

Cyberknife-Radiochirurgie

Im Gegensatz zur konventionellen Bestrahlung können radiochirurgische Verfahren die Behandlungszeit für den Patienten von acht auf eine Woche verkürzen, bei gleicher Effektivität der Bestrahlung. Das Cyberknife wird nur beim lokal begrenzten Prostatakarzinom (T1-3) ohne Lymphknoten (N0) und Fernmetastasen (M0) mit folgenden Merkmalen eingesetzt: Alter ab 60 Jahren, Gleason Score ≤ 7, PSA optimal < 15 ng/ml (maximal  20 ng/ml) und ein Prostatavolumen < 80 cm³.  Zudem füllen Sie einen acht Fragen umfassenden Fragebogen (International Prostate Symptom Score = IPSS) zu Ihrer Erkrankung aus. Nach diesem Punktesystem werden die Patienten in solche mit milder (IPSS<8), mittlerer (IPSS=8-19) und schwerer (IPSS=20-35) Symptomatik eingeteilt. Patienten die am Cyberknife behandelt werden, sollten einen IPSS ≤ 12 aufweisen.

Das Cyberknife-System bietet mit der robotergeführten Radiochirurgie eine neue Option für die Behandlung des Prostatakarzinoms. Die Beweglichkeit der Prostata stellt in der externen Strahlentherapie ein Problem dar, da sich das Organ aufgrund von Darmaktivität oder Darm- bzw. Blasenfüllung unvorhersehbar verschieben kann. Wenn die tatsächliche Position der Prostata jedoch bestimmt werden kann, ist eine Reduzierung der Sicherheitssäume möglich und das umliegende gesunde Gewebe wird einer geringeren Strahlenbelastung ausgesetzt. Da die Prostata selbst auf den Positions-Röntgenaufnahmen nicht zu erkennen ist, müssen vor der Behandlung vier kleine Goldmarker, sog. “Fiducials" eingebracht werden. Dies geschieht in örtlicher Betäubung über den Damm unter Ultraschallkontrolle. Das Positions-Röntgensystem des Cyberknife kann die exakte Lage der Prostata zu jeder Zeit bestimmen, indem das Bildortungssystem die kleinen Goldmarker in der Prostata darstellt und identifiziert. Während der Cyberknife-Behandlung kann die Prostata als bewegliches Ziel erfasst und präzise angesteuert werden. Somit ist nur ein minimaler Sicherheitssaum erforderlich, was die Schädigung der umliegenden Gewebsstrukturen minimiert. Durch die präzise Abgabe der Strahlung kann die notwendige Gesamtdosis innerhalb von fünf Bestrahlungstagen appliziert werden.

Die Teilnahme der Charité an der deutschen HYPOSTAT Studie (Hypofraktionierte Strahlenchirurgie bei lokal begrenztem Prostatakarzinom) ist beantragt. Zudem bieten wir die Möglichkeit der Bestrahlung und Re-Bestrahlung mittels Cyberknife bei einem Lokalrezidiv, sowie die Cyberknife-Radiochirurgie in der oligometastasierten Situation an. Oligometastasierung bedeutet, eine bis wenige Metastasen zumeist in Lymphknoten und/oder Knochen, häufig bei steigendem PSA durch ein PSMA PET-CT diagnostiziert.