[Englische Übersetzung] Tumoren der Augen

[Englische Übersetzung] Augentumortherapie mit Protonen
Die Anwendung hochenergetischer Protonen in der Präzisionsstrahlentherapie von Augentumoren hat eine jahrzehntelange Tradition und ist weltweit in etwa 20 Therapieeinrichtungen verfügbar.
Seit 1998 können in Deutschland Augentumoren an der Protonentherapieeinrichtung am Helmholtzzentrum für Materialien und Energie (HZB) (früher: Hahn-Meitner-Institut (HMI) in Berlin bestrahlt werden. Es besteht seither eine enge und erfolgreiche Kooperation der Klinik für Augenheilkunde und der Klinik für Radioonkologie am Campus Benjamin Franklin der Charité sowie des Helmholzzentrum für Materialien und Energie (HZB). Dies sicherte mit stetig steigenden Patientenzahlen aus dem In- und Ausland den Erhalt der Anlage über das Jahr 2006 hinaus. Konzeptionelle Vorgaben bedrohten Ende 2006 den Erhalt der initial zur physikalischen Forschung gebauten Anlage, deren Erhalt nun vorerst gesichert ist.

Neben der Transpupillären Thermotherapie (TTT), der Brachytherapie (Applikatoren), der stereotaktischen Radiochirurgie und der Operation ist die Bestrahlung von Augentumoren mit Protonen eine weitere Möglichkeit hocheffektiv diese Tumoren zu behandeln. Sorgfältig muß daher individuell für jeden Patienten abgewogen werden, welche Behandlung eingeleitet werden sollte.

Der entscheidende Vorteil der Bestrahlung mit Protonen ist ihre charakteristische Energieabgabe im Gewebe (Bragg-Peak), die eine exakte Bestrahlung von Tumoren mit Schonung unmittelbar benachbarter Organe ermöglichen kann.
Aufgrund technischer Gegebenheiten ist am HZB nur die Bestrahlung oberflächlich gelegener lokal begrenzter Tumoren möglich. Die Spezialisierung auf die Therapie von Augentumoren führte zur Entwicklung eines der modernsten Zentren zur Behandlung von Aderhautmelanomen weltweit.

[Englische Übersetzung]

 

 

 

 

 

 

 

Isodosendarstellung in einer Computertomographieaufnahme des erkrankten Auges. Die Dosis (Farbflächen) wird präzise auf den Tumor konzentriert. Der scharfe Dosisabfall in der Tiefe ist eine besondere Eigenschaft der Protonenstrahlung, was die Schonung von Risikoorganen, hier dem Sehnerven (grün) zulässt.

[Englische Übersetzung]

Geschichte der Protonentherapie
Die Behandlung mit Protonen ist in den USA erstmals 1954 erprobt worden. Der technische und finanzielle Aufwand einer Protonentherapie erwies sich als vorteilhaft bei gut lokalisierbaren Tumoren, die sich in unmittelbarer Nähe von Gewebe mit hohem Nebenwirkungsrisiko befinden. Dies trifft z.B. für manche Tumoren des Auges zu, die dicht neben Linse, Sehnerv oder der Stelle des schärfsten Sehens (Fovea) liegen. Ziel der Augentumortherapie mit Protonen ist die Vernichtung des Tumorgewebes und der Erhalt der Sehkraft. Solche Behandlungen werden schon seit 1961 durchgeführt, u.a. am Harvard Cyclotron in Boston (USA). Pionier in Europa ist das Schweizer Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen, wo Patienten seit 1984 behandelt werden.

Bei einer Nachbeobachtungszeit von 5 Jahren waren bei den über 2.000 Patienten, die am Harvard Cyclotron behandelt wurden, ebenso wie bei den über 2.600 Patienten, die an der PSI in der Schweiz ihre Behandlung erhalten hatten, mehr als 95% der Tumoren kontrolliert. Nach eigener Erfahrung in der Protonentherapie seit dem Sommer 1998 können wir die von diesen Institutionen veröffentlichten Ergebnisse an den in Berlin behandelten Patienten bestätigen. Die Auswertung von etwa 400 Berliner Patienten der Charité hat eine 3-Jahres-Tumorkontrollrate von ebenfalls über 95% ergeben.

Dank dieser Pionierarbeiten liegen Langzeitbeobachtungen an einem großen Patientenkollektiv mit äußerst positiven Langzeitergebnissen hinsichtlich des Behandlungserfolgs vor. Basierend auf diesen Studien werden weltweit große Anstrengungen unternommen, um hochenergetische Protonen sowohl zur Augentumortherapie als auch zur Therapie weiterer, tief liegender Tumoren zu nutzen. Wegen der relativ hohen Kosten für den Bau und Betrieb großer Beschleunigeranlagen greift man dabei, soweit möglich, auf bereits vorhandene kernphysikalische Anlagen zurück. Allerdings sind außerhalb Europas mittlerweile auch erste Neubauten in kliniknaher Umgebung in Betrieb genommen worden. Ende 2007 wurde am Universitätsklinikum Heidelberg die erste, allein für die Therapie von Tumorerkrankungen gebaute Anlage zur Bestrahlung mit Protonen, später auch mit Schwerionen in Betrieb genommen. Weitere Beschleuniger sind in Deutschland in der Planung oder bereits im Bau.

[Englische Übersetzung] Ablauf der Augentumortherapie mit Protonen
Aderhautmelanome sind extrem seltene maligne Tumoren und bilden den Hauptanteil der behandelten Augentumoren am HZB. Unspezifische visuelle Beeinträchtigungen (Unschärfen, fliegende Mücken, Verzerrungen) sind häufig erste Symptome dieser Erkrankung. Gelegentlich entstehen Aderhautmelanome auch aus jahrelang kontrollierten Aderhautnaevi oder werden zufällig bei einer augenärztlichen Routineuntersuchung entdeckt. Bei dem Verdacht auf einen bösartigen Tumor im Auge erfolgt dann die weitere Diagnostik und Therapie an darauf spezialisierten Augenkliniken, zumeist Universitätskliniken, wie in der Augenklinik der Charité am Campus Benjamin Franklin. Die Untersuchungen umfassen vor allem die Klärung der lokalen Ausdehnung des Tumors im Auge, aber auch den Ausschluß von Absiedlungen im Körper (Metastasen).

[Englische Übersetzung]

 

 

 

 

 

 


Fotografie des Augenhintergrundes
Für die Diagnosestellung und auch für die spätere Therapieplanung werden Fotos von der Aderhaut im hinteren Augenabschnitt benötigt. Hier lässt sich ein Aderhautmelanom (1) von normalen Strukturen im Auge (Sehnerv 2, Gefäße, Fovea 3) abgrenzen.

[Englische Übersetzung]

 

 

 

 

 

 

 

 


Kernspinaufnahmen (T1- und T2-Wichtung) und Computertomographie des gleichen Auges mit Darstellung des Tumors, der Linse, des Sehnervs und der Augenmuskeln.

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Ultraschallaufnahme eines Aderhautmelanoms am hinteren Pol des Auges. Alle Untersuchungen fließen in die Bestrahlungsplanung ein, z.B. auch zahlreiche Ultraschalluntersuchungen, die zusätzliche Informationen zur lokalen Ausdehnung des Tumors liefern.

[Englische Übersetzung]

Unter Berücksichtigung aller Befunde werden dann mit dem Patienten mögliche Therapiealternativen besprochen und die individuell beste Behandlung eingeleitet.

Im Falle der Therapie mit Protonen an der Charité erfolgt eine stationäre Aufnahme in der Augenklinik zur Implantation winziger Lokalisationsmarker (Tantalum-Clips), zur Durchführung einer Bestrahlungsplanungs-Computertomographie und in manchen Fällen auch zur kernspintomographischen Untersuchung (Magnetresonanztomographie - MRT).

Weitere Schritte der Bestrahlungsplanung sind Berechnungen zur optimalen Bestrahlungstechnik, die Anfertigung der Immobilisationsmaske und die Kontrolle des errechneten Plans in der Therapieeinrichtung am HZB durch Physiker, MTRA’s und Strahlentherapeuten. Nach Fertigstellung des Bestrahlungsplans wird dieser detailliert dem Patienten erläutert und die Behandlung nochmals ausführlich dargelegt.

[Englische Übersetzung] Ansicht auf den Behandlungsplatz
Die Bestrahlung erfolgt in sitzender Position. Der Patient wird auf einem speziellen Behandlungsstuhl vor das Strahlrohr (rechts) gefahren. Die Fixierung des Kopfes mit einer individuell angepassten Maske garantiert mit den implantierten Lokalisationsmarkern eine Lagerungsgenauigkeit im Submillimeterbereich.

In der Regel erfolgt die Bestrahlung an vier aufeinander folgenden Tagen (4 Fraktionen) und dauert jeweils etwa eine Minute, wobei eine gesamte Sitzung mit Vorbereitung, Lagerung und Lagekontrollen einen Zeitraum von etwa 30 – 40 Minuten einnimmt.

Größere Tumoren werden, zur Vermeidung schwerwiegender Komplikationen, ggf. in den ersten Wochen nach der Bestrahlung operativ entfernt (Exo-, Endoresektion).

Die Nachsorgen mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen erfolgen durch den zuweisenden Augenarzt und durch die Augenklinik der Charité.